geburtsbericht

Bevor ich an Stilldemenz leide, möchte ich doch mal den brandaktuellen Geburtsbericht vom Junior schreiben. Der hielt es nämlich nicht für nötig noch die zwei tage bis juni zu warten und startete heute Mittag durch.
Gestern Abend fing es mit einem ziepen und ziehen an. Nicht das erste Mal, also machte ich das, was ich die Tage davor machte und ging ins Bett. Am nächsten Morgen wars immer wieder weg, also wird’s diesmal auch so sein. Zumal wir auch noch eine Feierlichkeit am nächsten Tag hatten und ich durchaus das Ziel hatte meine Bowlingbestleistung zu übertreffen.
Halb drei wachte ich das erste Mal auf. Es zog immernoch, aber mein Ziel war das Klo und danach schwor ich mir, Spätabends nicht mehr so viel zu trinken!!!
Dreiviertel Fünf wachte ich wieder auf. Immernoch ziehen. Wieder Klo. Ich schwor mir nach dem Mittag nix mehr zu trinken um die nächsten Nächte ruhe zu haben. Doch so recht konnte ich dann nicht mehr einschlafen. Links rum gedreht zog es, rechts rum gedreht zog s und auf dem Rücken konnte ich auch nicht einschlafen.
Olles ziehen! Fluchte ich vor mir in und ging ins Bad um ne schöne heiße Wanne zu füllen. Vielleicht geht’s ja weg. Ich gab Mad sein Handy und nahm das Telefon mit ins Bad. Falls ich nicht mehr aus der Wanne rauskommen sollte…Vorsicht ist immerhin die Mutter der Porzellankiste!
In der Wanne sitzend, den ganzen tollen Schaum beobachtend, wurde mir schnell langweilig. Ein Buch wäre gut gewesen. Aber nagut. Ich widmete mich dem Ziehen. Anfangs alle 7min, dann wurden schnell 5min draus und dann sogar 4min. Aber der Bauch war doch weich! Wehen machen doch nen harten Bauch. Wo sind die nützlichen tipps, wenn man sie braucht! Kein Buch hat mir das erklärt, als rief ich meine Hebamme an. Immerhin wars nun schon 6.30uhr. Sie ging aber nicht ans Handy. Hm, dass heißt sie hat ne Geburt.
Ich setzte mich aufs Sofa und überlegte. Um sieben ruf ich mal im Geburtshaus an. Vielleicht können die mir da weiterhelfen. Hebamme Sandy rief mich 6.45Uhr zurück und ich schilderte ihr, dass es dumm rumzieht, ohne hartwerden des bauches, aber immer in regelmäßigen abständen.
Sie bot mir an im Geburtshaus mal ein CTG schreiben zu lassen, was mir sehr recht war.
Den Kindersitz bauten wir vorsichtshalber mal im Auto ein und ein Handtuch legte ich dem schönen Beifahrersitz auch auf.
Dann wurde mir von der Nachtschwester alles rangewurschtelt, doch die Herztöne lies sich Junior einfach nicht entlocken. Er räumte erstmal komplett die Bude auf, bevor er wieder zur Ruhe kam und sich mal den Herzschlag abhören ließ.
Ich erkannte darauf nicht wirklich Wehen, weil es bei mir immer zog, wenn das Gerät grad mal nicht ausschlug. Nebenan stöhnte es und als es dann schrie, war klar das Sandy gleich vorbei gucken würde. Genauso wars auch. Mit Baby auf dem Arm schaute sie bei uns nach dem Rechten und als sie das Baby ihren rechtmäßigen Besitzern wiedergab, warf sie einen Blick auf den Ausdruck und sah: Wehen.
Huch, wo kommen die denn her?
Sie schaute sich dann mal den Muttermund an und meinte 5cm und wir sollen mal lieber hier bleiben, weil der Kleine wohl heut Mittag da sein wird. Das war kurz nach Acht.
Wir gingen erstmal noch schnell in den Lidl um Brötchen für Mad zu kaufen. Mir war nicht nach Essen. Dann holten wir die „Kliniktasche” aus dem Auto und gingen dann in das freie Wochenbettzimmer. Die Schwester gab uns ein Namensbuch, vielleicht findet man ja noch schnell was. Das Buch war leider älter als ich und so fand sich auch nichts neues…
Mad warf immer einen Blick auf die Uhr zum Wehenabstandmessen. Und der merkte sich das… das gelang mir heut morgen nicht…
Aber unter 7min kamen wir nicht. Zwar war auch mal ein Abstand von 3min dabei, doch das war nicht zu vergleichen mit den „Wehen” die sich mehr Zeit ließen und auch mal 40sek blieben. Ich war müde und wollte mich gern hinlegen, doch im liegen zog es nur doof und Wehen kann man doch durchs rumlaufen in Gang bringen. Also lief ich rum.
Kurz vor 11uhr kam Sandy rein und wir schauten mal was der Muttermund machte. Ich dachte ja, dass der bestimmt wieder zu wäre und wir heim könnten, aber nö, der war schon 8cm geöffnet. Zeit sich mal der Fruchtblase zu widmen, die wollte nämlich einfach nicht platzen. Mir war das Rechts, so gings dann wenigstens schneller. An eine Mittagsgeburt glaubte ich zwar nicht mehr, aber so müsste ich wenisgtens nicht bis zum Abend warten.
Die Blase platzte und dann schaute Sandy mal was das Köpfchen machte. Der Herr wollte tatsächlich nicht preisgeben, ob Haare da waren oder nicht, weil er Sandy nur die Stirn zeigte. Hm. Es gibt besseres als Stirn zuerst und das ist Hinterkopf zuerst.
Aber gut, wenns nun mal die Stirn ist… Da müssen mehr Wehen her. Ich hatte nämlich die ganze Zeit keine richtigen und bei so einer Lage müssen die stark sein.
Also wurde mir ein Wehenmittel gespritzt. Dann konnte ich wieder ins Wochenbettzimmer gehen und innerhalb der nächsten 45min müssten die Wehen auch stärker werden. Ich bekam eine monströse Slipeinlage (das Fruchtwasser kennt ja keine Scham) und watschelte zurück. Hui, als ich im Zimmer war merkte ich schon wie die Wehen stärker wurden. Wollte eigentlich noch im Handy die Zeit vermerken, welche Uhzeit was war, doch das Handy konnte mir gestohlen bleiben.
Die eine Wehe grad weg, kam schon die nächste. Mir wurde heiß wie nix und ich merkte, dass mein Kreislauf nicht mit meiner heutigen Trinkmenge zufrieden war(noch nix, weil kein Durst). Mad holte die Schwester und Hebamme und ich bekam Wasser.
Das Wasser aus dem Glas in mich rein zu bekommen war aber auch eine Kunst. Ich musste die Wehenabstände nutzen und die waren minimal. Meinem Kreislauf gings dann aber besser.
Sandy beschloss mich mal besser hinzusetzen, die Bettkante war nicht optimal und hinlegen sollte ich mich unter keinen Umständen. Also huschten wir schnell in ner Pause auf den Hocker. Da hatte ich ein Seil an dem ich mich festhalten konnte. Der Gymnastikball wurde sofort wieder weggerollt, weil der genau da reindrückte, wo ich rausdrücken wollte.
Hocker her. Da gings. Mad fragte nach der Badewanne, doch Sandy behauptete, dass wir das nicht mehr schaffen würden. Wie jetzt? Und warum sollte ich eigentlich jetzt schon pressen? Nagut, das machte ich fast von ganz allein. Sandy feuerte mich an, ich hatte zwar nicht die Zeit dazu, war aber schon verwirrt, dass ich schon so weit war, dass ich pressen konnte.
Und während sie bei der vorletzten Wehe das Köpfchen nur sehen konnte, wars bei der nächsten schon da und auf einmal lag das Kind da und schrie. Huch. Wie geht das denn…?
Einerseits verwirrt, weil grad das Kindchen in meine Arme gelegt wurde, andererseits auch erleichtert, dass ich nun scheinbar nicht mehr pressen müsste, bekam ich nicht mehr viel um mich herum mit. Das Geplätscher unter mir, konnte ich mir noch zuordnen, doch die Hektik konnte ich nicht erklären. Ich verlor bissl viel Blut, weil sich die Plazenta schon ablöste, also bekam ich irgendwas gespritzt. Danach wurde es besser. Mad kümmerte sich um Oliver - darauf haben wir und nun kurzerhand geeinigt und ich wurde aufs Bett verfrachtet, die Plazenta war dan auch schon da und ich wunderte mich, wo mein Bauch gebleiben war. Hat man sich doch die ganze Zeit so aneinander gewöhnt.
Ich bekam wieder was zu trinken und als Mad mit der Oliververpackung fertig war, gingen wir wieder auf unser Zimmer. Die Oliverbegutachtung zeigte eine Boxernase! Das erklärte, was der Kerl die ganze Zeit im Bauch machte und glücklicherweise gabs auch etwas Haar, was wir jetzt mit ordentlich Dünger heranzüchten müssen.
So. Mehr fällt mir jetzt auch nicht ein. Ich weiß aber seit heute wie man mit Windeln läuft. Nämlich doof.
Die Daten: 2910g (ich bin stolz, das ich in der Schwangerschaft so standhaft blieb bei Schoko)
50cm lang
mittlerweile auch nicht mehr lila (was ihn hübscher macht)
14:30Uhr verließen wir dann das Geburtshaus, weil uns langweilig war und wir zuhause alles dagegen unternehmen konnten, nicht dort. Seitdem schläft Oli. Braves Kerlchen…
Deine SMS von der Geburt kam genauso unerwartet wie das Babygeschrei im Telefon von Johannes vor 7 Wochen. Bin gerade mit dem Bus in die Garage gefahren. Bin sofort nach Hause und habe die frohe Botschaft verkündet! Jubel, Jubel!
Freuen uns alle, dass es so schnell und problemlos vonstatten ging. Haben auch die Namenswahl nicht zu beanstanden.
Dir und dem kleinen Oliver beste Gesundheit und alles Gute wünschen Mutti, Vati, Janine und Johannes